Was tun bei distaler Radiusfraktur?

Die distale Radiusfraktur – häufig auch Speichenbruch genannt – zählt zu den häufigsten Knochenverletzungen des Menschen. Sie betrifft den unteren Anteil der Speiche (Radius) nahe des Handgelenks und entsteht meist durch einen Sturz auf die ausgestreckte Hand. Besonders ältere Menschen mit Osteoporose und sportlich aktive Personen sind betroffen. Eine rechtzeitige Behandlung und gezielte Physiotherapie sind entscheidend, um die Beweglichkeit und Funktion des Handgelenks vollständig wiederherzustellen.

Was ist eine distale Radiusfraktur?

Bei einer distalen Radiusfraktur handelt es sich um einen Bruch der Speiche im Bereich nahe des Handgelenks. Der Bruch kann einfach, verschoben oder mehrfach gebrochen sein. Je nach Bruchform und Stellung der Fragmente unterscheidet man zwischen stabilen und instabilen Frakturen. Eine Sonderform ist die sogenannte Colles-Fraktur, bei der das abgebrochene Knochenstück nach hinten (dorsal) verschoben ist. Seltener tritt die Smith-Fraktur auf, bei der die Verschiebung nach vorn (palmar) erfolgt.

Ursachen und Risikofaktoren

Die häufigste Ursache einer distalen Radiusfraktur ist ein Sturz auf die ausgestreckte Hand – etwa beim Sport, Radfahren, Glatteis oder Stolpern. Dabei wirkt eine hohe Kraft auf das Handgelenk, wodurch der Radius bricht. Bei älteren Menschen genügt oft schon ein leichter Sturz aufgrund verminderter Knochendichte.

Typische Risikofaktoren:

  • Osteoporose (verminderte Knochendichte)
  • Koordinations- oder Gleichgewichtsstörungen
  • Sportarten mit Sturzrisiko (z. B. Skifahren, Inlineskaten, Reiten)
  • Alterungsbedingte Muskelschwäche
  • Unzureichende Sturzprävention

Symptome einer distalen Radiusfraktur

Die Symptome sind meist deutlich spürbar. Betroffene berichten von akuten Schmerzen im Handgelenk, Schwellung und eingeschränkter Beweglichkeit unmittelbar nach dem Sturz. Manchmal ist eine Fehlstellung des Handgelenks sichtbar.

Typische Anzeichen sind:

  • Starke Schmerzen im Bereich des Handgelenks
  • Schwellung und Bluterguss
  • Bewegungseinschränkung oder Instabilität
  • Sichtbare Fehlstellung oder Verformung
  • Knirschen oder Reibegeräusche bei Bewegung (Krepitation)
  • Schmerzverstärkung bei Druck oder Belastung

Diagnostik und ärztliche Versorgung

Nach einem Sturz sollte das Handgelenk immer ärztlich untersucht werden, insbesondere wenn Schmerzen, Schwellung oder Bewegungseinschränkungen bestehen. Die Diagnose wird durch körperliche Untersuchung, Röntgenaufnahmen und ggf. CT oder MRT gesichert. Nach der ärztlichen Diagnosestellung erfolgt später in der Physiotherapie ein individueller Befund, um Funktionsverluste und Bewegungseinschränkungen gezielt zu behandeln.

Die Art der Behandlung hängt von der Bruchform ab:

  • Konservative Behandlung: Bei stabilen, nicht verschobenen Brüchen erfolgt eine Ruhigstellung mit Gips oder Orthese für etwa 4–6 Wochen.
  • Operative Behandlung: Instabile oder verschobene Frakturen werden häufig chirurgisch versorgt – etwa durch Plattenosteosynthese oder Schraubenfixierung, um die anatomische Stellung wiederherzustellen.

Heilungsverlauf

Die Heilungsdauer einer distalen Radiusfraktur hängt vom Alter, der Bruchform und der Behandlungsmethode ab. Im Durchschnitt dauert die knöcherne Heilung etwa 6–8 Wochen. Danach ist jedoch die Rehabilitation entscheidend, um Beweglichkeit, Kraft und Koordination wiederzuerlangen.

Ohne gezielte Nachbehandlung kann es zu Bewegungseinschränkungen, Instabilität oder chronischen Schmerzen kommen. Daher ist die physiotherapeutische Betreuung ein fester Bestandteil des Heilungsprozesses.

Physiotherapeutische Behandlung

Nach der Ruhigstellung oder Operation beginnt die physiotherapeutische Nachbehandlung. Sie zielt darauf ab, Schmerzen zu reduzieren, Schwellungen zu lindern, die Beweglichkeit zu fördern und die Muskulatur wieder aufzubauen. Der genaue Verlauf richtet sich nach dem Heilungsstadium und dem individuellen Befund.

1. Akutphase (0–6 Wochen)

Während der Ruhigstellung stehen Schwellungsreduktion und Erhalt der Beweglichkeit der nicht betroffenen Gelenke im Vordergrund.

Physiotherapeutische Maßnahmen:

  • Hochlagerung und sanfte Lymphdrainage zur Schwellungsminderung
  • Bewegungsübungen für Schulter, Ellenbogen und Finger
  • Atem- und Kreislaufübungen zur Förderung der Durchblutung
  • Bewegungsvorstellung (mentales Training) zur Erhaltung der Muskelaktivität

2. Frührehabilitation (nach Gips- oder Schienenabnahme)

Nach der Entfernung der Ruhigstellung beginnt der aktive Aufbau der Beweglichkeit und Funktion. Ziel ist es, Steifigkeit zu vermeiden und das Gelenk schrittweise zu belasten.

  • Sanfte Mobilisation des Handgelenks und der Finger
  • Dehnübungen für Sehnen und Muskeln
  • Aktive Bewegungsübungen ohne Widerstand
  • Manuelle Techniken zur Mobilisierung von Handwurzelgelenken
  • Wärmetherapie zur Entspannung der Muskulatur

3. Aufbauphase (nach 8–12 Wochen)

Wenn die Knochenheilung stabil ist, werden Kräftigungs- und Koordinationsübungen integriert, um das Handgelenk wieder voll funktionsfähig zu machen.

  • Kräftigungsübungen für Hand- und Unterarmmuskulatur
  • Koordinations- und Gleichgewichtstraining (z. B. mit Therapieknete, Handtrainer, Ballübungen)
  • Greif- und Alltagsübungen (Flasche öffnen, leichte Gewichte heben)
  • Faszien- und Weichteiltechniken bei Narben oder Bewegungseinschränkungen

4. Spätphase (nach 12 Wochen und darüber hinaus)

In dieser Phase steht die Wiederherstellung der vollen Belastbarkeit im Alltag und ggf. im Beruf oder Sport im Vordergrund. Die Physiotherapie konzentriert sich auf Kraftausdauer, Koordination und Bewegungsökonomie.

  • Steigerung der Belastung und des Bewegungsumfangs
  • Stabilisationsübungen für das Handgelenk
  • Sport- oder berufsspezifisches Training
  • Ergonomische Beratung und Rückfallprävention

Wichtige Hinweise für Betroffene

  • Belasten Sie das Handgelenk erst nach ärztlicher Freigabe.
  • Bewegen Sie regelmäßig die Finger, um Schwellungen zu vermeiden.
  • Vermeiden Sie ruckartige Bewegungen oder Stützen mit der verletzten Hand.
  • Setzen Sie Wärme gezielt ein, um die Durchblutung zu fördern, sobald die Schwellung abgeklungen ist.
  • Üben Sie regelmäßig – kleine Fortschritte täglich sind entscheidend für den Erfolg.

Komplikationen und Spätfolgen

Ohne konsequente Nachbehandlung kann es zu anhaltender Bewegungseinschränkung, Kraftverlust oder Fehlstellungen kommen. Auch Arthrose im Handgelenk ist eine mögliche Langzeitfolge. Eine frühzeitige physiotherapeutische Betreuung hilft, solche Komplikationen zu vermeiden und die Funktion langfristig zu sichern.

Fazit

Eine distale Radiusfraktur ist zwar schmerzhaft, heilt aber in den meisten Fällen bei richtiger Behandlung vollständig aus. Entscheidend ist eine strukturierte physiotherapeutische Nachbehandlung, die individuell auf die Heilungsphase abgestimmt ist. Mit gezielten Übungen, Geduld und konsequenter Mitarbeit lassen sich Beweglichkeit, Kraft und Koordination vollständig wiederherstellen – für eine sichere Rückkehr in Alltag, Beruf und Sport.

Weiterführende Themen

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